Die Landespolitik hat auf die zunehmenden Konflikte zwischen Artenschutz und Fischbeständen reagiert:
Künftig ist in Thüringen der Abschuss von Kormoranen auch an Teichen und Seen möglich, wenn heimische Fischbestände bedroht sind.
Damit wird eine Regelung erweitert, die bislang vor allem für Fließgewässer galt. Hintergrund sind steigende Bestände des Kormorans sowie wiederkehrende Schadenssituationen – insbesondere in den Wintermonaten.
👉 Quelle:
https://thueringen.de/dpa-meldungen/abschuss-von-kormoranen-auch-an-teichen-und-seen-moeglich-409805
Ein wichtiger Schritt – aber oft zu spät für aktuelle Schäden
Die Entscheidung ist aus Sicht vieler Gewässerbewirtschafter ein überfälliger Schritt.
Gleichzeitig zeigt sich am aktuellen Beispiel im Ilmkreis, dass solche Regelungen oft erst greifen, wenn der Schaden bereits eingetreten ist.
Die Ilm: Salmonidenbestand unter massivem Druck
In den vergangenen Wochen war die Ilm eines der wenigen eisfreien Gewässer in der Region.
Während Teiche und größere Stillgewässer zugefroren waren, konzentrierten sich zahlreiche Kormorane auf den Fluss.
Zeitweise wurden 40 bis 50 Tiere gleichzeitig beobachtet.
Die Folgen betreffen insbesondere:
- Äsche (Thymallus thymallus)
- Bachforelle (Salmo trutta fario)
Beides sind empfindliche Arten, deren Bestände über Jahre hinweg aufgebaut und gepflegt werden.
👉 Die nun beschlossene Regelung kommt für diese konkrete Situation zu spät.
👉 Für die Zukunft ist sie jedoch ein entscheidendes Instrument, um schneller reagieren zu können.
Talsperre Heyda: Neue Dimension des Problems
Während sich die Situation an der Ilm bereits zugespitzt hat, zeigt sich an der Talsperre Heyda aktuell ein noch größeres Potenzial für Schäden.
Dort wurden über 100 Kormorane gleichzeitig am Gewässer gesichtet.
Gerade solche größeren Gewässer wirken im Winter wie ein Magnet:
- große Fischbiomasse
- offene Wasserflächen
- ideale Sammelpunkte für Schwärme
Ohne Eingriff kann es hier innerhalb kurzer Zeit zu erheblichen Verlusten kommen.

Warum die neue Regelung wichtig ist
Ein Kormoran frisst im Durchschnitt 300 bis 500 Gramm Fisch pro Tag.
Bei größeren Ansammlungen entsteht schnell eine relevante Größenordnung.
Beispielhaft:
- 100 Kormorane
- × 300–500 g täglich
= 30 bis 50 kg Fisch pro Tag
Über mehrere Wochen summiert sich dies auf mehrere hundert Kilogramm bis hin zu Tonnen Fischverlust – selbst ohne Berücksichtigung verletzter oder verendender Tiere.
Die neue Regelung ermöglicht nun:
- schnelleres Eingreifen bei Massenvorkommen
- Schutz sensibler Fischarten
- bessere Steuerung in Ausnahmesituationen
Zwischen Artenschutz und Gewässerverantwortung
Der Kormoran ist und bleibt eine geschützte Art – und das ist richtig.
Gleichzeitig zeigt sich immer deutlicher:
Artenschutz darf nicht isoliert betrachtet werden, sondern muss das gesamte Ökosystem einbeziehen.
Fischbestände in unseren Gewässern sind:
- Ergebnis jahrzehntelanger Hege
- finanziell aufwendig aufgebaut
- ökologisch wertvoll
Ein unkontrollierter Prädationsdruck kann diese Arbeit innerhalb weniger Wochen zunichtemachen.